Sigrid Nolte Schefold

…Malen nach Herzenslust…

Plädoyer für die freie Malerei

In ihrem ersten Leben war Sigrid Nolte Schefold Rechtsanwältin. In ihr zweites Leben als Malerin hat sie die Fähigkeit zu plädieren mitgenommen. Waren es früher Gerichte, vor denen sie stritt, sind es heute Foren, die sie sich selbst geschaffen hat, auf denen sie sich leidenschaftlich für das Recht eines Jeden auf eine kreative Lebensgestaltung einsetzt. Nicht etwa distanziert. Sie bringt sich mit ihrer Lebenserfahrung, ihren zusätzlich erworbenen Kompetenzen persönlich ein.

Noch Anwältin schrieb sie sich an der Städelschule in Frankfurt am Main für Malerei ein. Kaum hatte sie die Juristerei „zu den Akten gelegt“, fand man sie an der Europäischen Kunstakademie in Trier wieder. Neugier und der Hunger auf Weiterbildung führten sie an das Osterberg-Institut in Niederkleevez (Ostholstein), wo sie sich in Kursen zur Mal-Atelieleiterin im Ausdrucksmalen weitere Möglichkeiten für ihre noch ungewisse Zukunft als Künstlerin schuf. Inzwischen hat sie sich in dieser Zukunft eingerichtet. In einem alten hübschen Häuschen in Osterhever in Nordfriesland leitet sie Kurse in freiem Malen. Ihre Inspiration, ihre Kraftquelle, ist die Natur.

Wie ernst es ihr damit ist, erfährt jeder, der auch nur einmal bei ihr vorgefahren ist. Natur ist hier hautnah spürbar. Im vorwitzig keimendem Grün auf der gekiesten Auffahrt, den Wildkräutern, die sich durch die Fugen der Terrassenplatten zwängen. Am eindringlichsten bringt sie sich in der vom Wind zerzausten alten Weide zur Geltung, die nur wenige Meter von ihrem Atelier entfernt steht.

Nur versteht Sigrid Nolte Schefold sie nicht als Vorlage für eine Malerei in realistischer Ma-nier. Sie bedeutet ihr viel mehr. Sie schult die Wahrnehmung ihrer Umwelt mit allen Sinnen, nicht nur mit den Augen. Die Natur erreicht ihre Gefühle, ihr Herz. Nicht von ungefähr lädt sie zu ihren Kursen ein mit den Worten „Malen nach Herzenslust“. Deshalb verwundert es auch nicht, dass sie keinerlei Vorkenntnisse bei ihren Kursteilnehmern erwartet. Dafür aber die Bereitschaft sich einzulassen auf eine neue Erfahrung mit sich selbst.

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Und die beginnt bereits in dem Moment, wenn ihnen die Malerin statt der gewohnten Skizzen- und Zeichenblockformate ein Papier in Übergröße, sei es 1 mal 1 Meter oder noch größer, vorlegt, das sie jetzt füllen sollen. Es ist ein unsägliches Gefühl vor dem leeren Blatt zu sitzen, ohne auch nur den Funken einer Idee im Kopf. Sigrid Nolte Schefold kennt es nach eigenem Bekunden nicht. Aber manch ein anderer Maler oder auch ein Schreiber leidet mitunter darunter.

Dabei sollte die traumhafte Palette reiner leuchtender Guachefarben, das Arsenal an herrlichen Pinseln Anregung genug bieten. Aber den beherz-ten Sprung über diese erste Hürde schafft jeder am Ende. Gefällt das Bild nicht, hat man es sich anders vorgestellt, tröstet die Kursleiterin: Man kann es ändern. Einfach übermalen. Dies ist eine Erfahrung, die es lohnt ins eigene Leben zu integrieren.

Auch wenn die eine oder andere Situation, in die man gerät, aussichtslos zu sein scheint, reicht oft ein stabiles Selbstwertgefühl, eine Wende herbeizuführen, die einen zufriedener macht. Und dieses Selbstwertgefühl entwickelt sich im Laufe des Malprozesses. Davon ist Nolte Schefold überzeugt. Das Erlebnis, etwas kreativ gestalten zu können, dürfte nachhaltig sein. Immerhin bringt man das Ergebnis, das selbst gemalte Bild, mit nach Hause.

Um ihre Existenz als freischaffende Künstlerin zu sichern – künstlerische Arbeiten zumal abstrakte Bilder, wie sie einen Großteil ihres Werkes ausmachen, verkaufen sich nicht so leicht – hat sie sich zur Anti-Stress-Trainerin ausbilden lassen. Eine folgerichtige Entscheidung. Mit dieser zusätzlichen Qualifikation vertieft sie ihr Kursprogramm und rundet es ab. Entspannungs-, Atem- und Achtsamkeitsübungen und Gehmeditationen sprechen gezielt den Körper an, dessen Sprache im turbulenten Arbeits-alltag oft ungehört bleibt, bis unguter Stress den Menschen dazu zwingt, sich mit diesem Alltag im Detail auseinander zu setzen.

Die Dithmarscher haben Gelegenheit, die überaus wortgewandte und hellwache Malerin persönlich kennen zu lernen. Als Partnerin des Nationalparkes Wattenmeer wird sie nach Meldorf kommen und zwei Kurse abhalten. Der eine wird direkt am Wattenmeer am Elperbütteler Badestrand stattfinden unter dem Thema Sehnsucht“, der andere am Landwirtschaftsmuseum – Altes Bauernhaus stattfinden, Thema „Erdung“.

Dieser Artikel ist erschienen in LÜÜD, Das Magazin für Szene und Kultur in Dithmarschen.

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